Loslassen – Och nööö, ist doch grad so schön hier!

Mein Weg zurück ins Leben war also von vielen Tränen, verrückterweise viel mehr Tränen als zu meiner Krebszeit, getränkt. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen weil ich nicht gesund war und klammerte mich krampfhaft an meinem alten Leben, alten Freunden und alten Gedankenmuster fest. Jede Neuerung machte mir schreckliche Angst und sofort stieg wieder diese Panik in mir auf. Ich fühlte mich so kraftlos und hatte keine Idee wo ich neue Kraft herholen sollte. Alles war dunkel und schwarz und die Anti-Hormon-Therapie, die ich seit Anfang des Jahres machen muss, half mir auch nicht sonderlich dabei meine innere Sonne zu finden. Alle 3 Monate bekomme ich eine Spritze in den Bauch, die die Funktion meiner Eierstöcke auf 0 runterfährt und jeden Tag nehme ich dazu eine Tablette, die meinen Hormonhaushalt so runterreguliert, dass ich mit 37 Jahren auf brutale Art in die Wechseljahre katapultiert werde. Bis heute fällt es mir schwer mit dieser Therapie meinen Frieden zu machen und immer wieder taucht der Wunsch auf, diese einfach abzusetzen weil ich das Gefühl habe, dass sie mir mehr nimmt als gibt. Auch wenn das aus medizinischer Sicht absolut nicht anzuraten ist, kann ich den Gedanken nicht so ganz loslassen.

Loslassen – dieses Wort begegnet mir auf meiner Reise ständig. Gott, wenn das nur so einfach wäre. Es ist ja nicht so als wenn ich nicht wollen würde, aber festhalten erschien mir irgendwie immer als die sichere Lösung. Sicher, auch so ein Wort… Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass ich den sicheren Weg gehen soll, den vernünftigen Weg. Mach eine Ausbildung als Sekretärin, da hast Du immer einen guten Job. Eigentlich hat mich mein Herz eher in die kreative Ecke gezogen. Ich wollte Fotodesign studieren, in meinen Träumen habe ich mich als Schriftstellerin oder gerne auch mal als Comedian gesehen. Menschen zum Lachen bringen, wie geil wäre das denn bitte?! Gebremst wurde ich leider immer wieder durch mein Umfeld, das meine Träumereien schon immer als Humbug abgetan hat. Meine Familie hat mich früher auch gerne (durchaus liebevoll, so glaube ich zumindest) als Zigeunerin oder schwarzes Schaf bezeichnet, weil ich viel im Wald unterwegs war, auf Bäume geklettert bin und mit meinem Rad fliegen konnte. Für mich war schon als Kind klar, dass ich nicht in dem kleinen Dorf am Niederrhein mein Leben verbringen wollte, die Welt hat gerufen und wie schön muss das sein frei zu sein und dem Ruf zu folgen.

Als meine Mutter 2008 schwer krank wurde und ich daher zurück an den Niederrhein ziehen wollte, hat sie darauf bestanden, dass ich in Köln bleibe und endlich die Welt kennenlerne. Für diese sehr vehemente Anweisung bin ich ihr unendlich dankbar und erst nach ihrem Tod habe ich auch verstanden, wieso sie so sehr darauf bestanden hat. Manchmal scheinen Mütter einfach mehr zu wissen als sie uns verraten. Aber deswegen sind sie eben auch Mamas!

Kommen wir aber wieder zu diesem schrecklichen Loslassen… Auf einmal hörte ich es an jeder Ecke. Überall sollte ich loslassen. Den Krebs loslassen, die Angst loslassen, negative Menschen loslassen. Es hörte sich immer so einfach an und doch war es für mich wieder nur mit Angst verbunden. Die Angst war ja ohnehin mein ständiger Begleiter geworden, ich erkannte mich nicht wieder und Überraschung, auch das machte mir wieder eine Heidenangst. Hinter jeder Ecke lauerte sie und griff mit ihren kalten Händen nach mir. Wie sollte ich wirklich darauf vertrauen, dass alles gut wird? Kann das einfach so sein? Wenn ich es genau betrachtete, gab es keinen Grund wieso ich darauf vertrauen sollte. 2016 hatte mich gelehrt, dass das Leben sehr kostbar und vor allem endlich ist.

In diesem Jahr sollte ich dann aber doch mal loslassen lernen und weil ich so gar keine Lust darauf hatte, hat mich das Leben irgendwie dazu gezwungen. Zwei wunderbare und für mich wichtige Menschen verschwanden auf einmal aus Köln. Da stand ich also nun, gezwungen loszulassen und siehe da, das geht schon irgendwie. Kann man mal machen und auf verrückte Weise kommen dann wieder neue Menschen in mein Leben, die genauso wundervoll und inspirierend sind. Aber die beiden Losgelassenen gehören immer noch zu meinem Leben und ich bin so dankbar, dass sie mich letztes Jahr begleitet haben, mir Kraft gegeben und dafür gesorgt haben, dass ich das Lachen nicht vergesse, das wird mir ja niemand nehmen. Menschen, die Dein Herz berührt haben, werden immer bei Dir sein. Wie schön, oder? Wieso also machen wir es uns selbst so schwer und klammern uns gerne mal an alles Bekannte fest als wenn uns alles Neue sofort und direkt in die Hölle bringen würde? Veränderungen gehören dazu und wenn ich mein Leben recht betrachte, haben sie mich immer weiter gebracht und durch sie habe ich gelernt und bin heute wie ich bin! Genau genommen bin ich also ein Fan von Veränderungen, nur das Loslassen muss ich also noch etwas üben! 🙂

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