Der Port und wieso ich ihn echt gern mochte

Nachdem ich ja nun vor ein paar Tagen freudig verkündet habe, dass mein Port raus ist, dachte ich, irgendwie hat das kleine Dingen doch noch eine ausführlichere Erwähnung verdient. Er hat mir tapfer zur Seite gestanden und ich muss zugeben, dass ich echt dankbar war ihn zu haben und als er dann raus war, habe ich auch ein paar Tränchen verdrückt. Spritzen und besonders Zugänge in die Vene sind nicht so meins. Obwohl ich meine Kindertage ja nun auch schon eine Weile hinter mir habe, verdrehe ich mir immer noch den Hals sobald jemand mit einer Spritze in meine Richtung kommt. Bloß nicht hingucken, sonst passiert was! Keine Ahnung was genau da passieren soll aber sicher ist sicher und man muss ja nun auch nicht jede Gewohnheit loslassen. Mit dem Port war das aber irgendwie anders. Zunächst sieht man die Nadel gar nicht und es wird eher so eine Art Knopf angestöpselt. Wenn dies dann einmal geschehen ist, zwickt auch nichts mehr. Bedauerlicherweise musste ich feststellen, dass nur die Ärzte in der ambulanten Chemotherapie meine Begeisterung teilten. Außerhalb des Krankenhauses wurde er eher mit Schrecken beäugt. Obwohl man ihn eigentlich gar nicht gesehen hat. Nur wer genau hinschaute, hat einen Hubbel schräg unterhalb meines Schlüsselbeins gesehen. Die ganz Tapferen durften auch gerne mal drauf fassen, was durchaus zu sehr lustigen Moment geführt hat. Also für mich aber wenn ich gelacht habe, haben meist die Anderen auch gelacht. 😊

Die Vorstellung ist aber halt auch echt schräg, eine kleine Kammer, die unter die Haut gesetzt und von der aus ein kleiner Schlauch in das Venensystem gelegt wird. Wenn ich mir diesen „kleinen Schlauch“ jetzt so anschaue, weiß ich nicht ob „klein“ das richtige Wort ist. Ehrlich gesagt empfinde ich ihn sogar als überraschend dick und wenn ich nicht gesehen hätte, dass er wirklich in meiner Vene war, ich würde es wohl eher nicht glauben. Aber so war es und manche Blutgefäße sind demnach dicker als ich bisher dachte.

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Das Im- oder Explantieren des kleinen Dings geht recht schnell und wird ambulant unter örtlicher Betäubung gemacht. Man kann wohl eine leichte Sedierung bekommen und wenn ich genau darüber nachdenke, weiß ich nicht mehr wieso ich diese jedes Mal abgelehnt habe?! Ich gebe zu, dass mir im Vorhinein absolut nicht klar, was genau da auf mich zukommt. Mit der Aussage „Der Port wird ambulant gelegt“ konnte ich nicht viel anfangen und so bin ich da recht blauäugig reingegangen. Zum Glück saß eine wirklich liebe Anästhesistin an meinem Kopf, die während der Implantation mit mir geplaudert und mich tapfer von den komischen Dingen, die da hinter dem grünen Tuch passierten, abgelenkt hat. Ich gehe da mal lieber nicht im Details drauf ein, nur an einer wirklich witzigen Situation muss ich Euch teilhaben lassen. Vorweg, ich hatte keinerlei Schmerzen, da ich ja örtlich betäubt war und meine Info, dass sie bitte ordentlich reinspritzen sollten, haben sie wohl auch ernst genommen. Ich habe keinen einzigen Piecks gespürt, nur dieser komische Muff der manchmal in der Luft lag, der hat mich beschäftigt. Also habe ich einfach mal blöd in den Raum gefragt was genau denn hier jetzt so angebrannt riechen würde und schlagartig war Stille! Die Anästhesistin schaute mich mit großen Augen an und wusste nicht so recht was sie sagen sollte und auch von der anderen Seite des Tuches hörte ich auf einmal nichts mehr. Ganz langsam fiel der Groschen und auf einmal war mir auch klar, dass ich bzw. meine Haut es war, die da so leicht angebrannt die Luft vermieste. Hätte ich meine Hände frei gehabt, so hätte ich mir eine davon mit Sicherheit gegen die Stirn geschlagen aber so habe ich nur lachend meine Augen verdreht und meinte „Oh sorry, mein Fehler. Nie drüber nachgedacht!“ Diese Erfahrung war schon irgendwie echt abgedreht muss ich sagen. Aber auch die Implantation ging vorbei und weil die nette Ärztin an meinem Kopf die ganze Zeit fröhlich mit mir geplappert hat, habe ich das Ganze auch nicht wirklich negativ in Erinnerung. Die Explantation ging dann auch viel schneller und nach gefühlt 5 Minuten war der Port raus und ich wurde schon wieder aus dem OP rausgeschoben.

Auf dem Zimmer angekommen wartete bereits ein weiteres Tigerherz auf mich. Sie durfte sich vor mir von ihrem Port verabschieden und wir haben uns quasi auf dem Weg in den OP abgeklatscht. Die nächsten 2 Stunden haben wir uns über unsere Erlebnisse ausgetauscht, haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt und die Zeit bis wir nach Hause konnten, bestmöglich verbracht und das getan, was Frauen so gerne tun – wir haben gequatscht und gelacht. Brustkrebs verbindet eben auch und gemeinsam fallen manche Dinge viel leichter und vieles versteht man eben auch nur, wenn man es selbst erlebt hat. So wohl auch diese komische Verbindung zu dem kleinen Dingen unter meiner Haut, was ich eben nie haben wollte aber dann doch echt froh war, als ich es hatte!

 

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Zwischen den Fotos liegen 1 Jahr und 8 Monate und gefühlt ein halbes Leben

 

 

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